Wärmflasche und eine Tasse Tee auf einer Wolldecke

Wiederkehrende Harnwegsinfekte: Warum sie zurückkommen

Als wiederkehrend gilt eine Harnwegsinfektion, wenn mindestens zwei symptomatische Episoden innerhalb von sechs Monaten oder mindestens drei symptomatische Episoden innerhalb von zwölf Monaten auftreten [1]. Dahinter steckt selten ein einzelner Auslöser: Nach den Wechseljahren verändern sich Schleimhaut und Scheidenflora, dazu kommen Faktoren wie eine unvollständige Blasenentleerung oder Vorerkrankungen. Die Häufung ist damit ein Muster, das sich untersuchen und beeinflussen lässt — kein unvermeidlicher Teil des Älterwerdens.

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Eine rezidivierende Harnwegsinfektion wird angenommen, wenn mindestens zwei symptomatische Episoden innerhalb von sechs Monaten oder mindestens drei innerhalb von zwölf Monaten vorliegen [1].
  • Häufigkeit: Bei Frauen nach den Wechseljahren ohne Diabetes ist mit 6,7 Episoden pro 100 Personenjahren zu rechnen [1].
  • Typische Ursachen: Hormonell bedingte Veränderungen von Schleimhaut und Scheidenflora, Restharn in der Blase, frühere Harnwegsinfektionen sowie Erkrankungen und Eingriffe, die den Harnabfluss beeinflussen.
  • Wichtige Abgrenzung: Bakterien im Urin ohne Beschwerden sind keine wiederkehrende Infektion; bei Frauen nach den Wechseljahren soll eine asymptomatische Bakteriurie nicht behandelt werden [1].

Wann eine Harnwegsinfektion als wiederkehrend gilt

Die Grenze ist definiert, nicht Ermessenssache: mindestens zwei symptomatische Episoden innerhalb von sechs Monaten oder mindestens drei innerhalb von zwölf Monaten [1].


Entscheidend ist das Wort „symptomatisch". Gezählt werden Episoden mit Beschwerden — Brennen beim Wasserlassen, häufiger kleiner Harndrang, Schmerzen über dem Schambein. Ein auffälliger Urinbefund ohne solche Beschwerden zählt nicht dazu.


Diese Unterscheidung ist im höheren Lebensalter besonders wichtig, weil Bakterien im Urin dort verbreitet sind. Bei über 70-Jährigen liegt die Prävalenz einer asymptomatischen Bakteriurie zwischen 16 und 50 Prozent, und bei Frauen nach den Wechseljahren soll sie nicht behandelt werden [1].

Warum die Beschwerden nach den Wechseljahren häufiger wiederkehren

Nach der hormonellen Umstellung verändert sich das Gewebe im Bereich von Harnröhre und Scheide: Die Schleimhaut wird dünner, weniger gut durchblutet und trockener. Gleichzeitig verschiebt sich die Zusammensetzung der Scheidenflora, die zuvor einen sauren pH-Wert aufrechterhalten hat.


Beides zusammen erleichtert es Darmbakterien, sich im Bereich des Harnröhreneingangs anzusiedeln und aufzusteigen. Das erklärt, warum die erste Häufung bei vielen Frauen zeitlich mit den Wechseljahren zusammenfällt, obwohl sich an Hygiene oder Lebensgewohnheiten nichts geändert hat.


Die Größenordnung: Bei Frauen nach den Wechseljahren ohne Diabetes ist mit 6,7 Harnwegsinfektions-Episoden pro 100 Personenjahren zu rechnen [1].

Was den Verlauf zusätzlich beeinflusst

Neben der hormonellen Veränderung spielen mehrere Faktoren eine Rolle, die sich zum Teil beeinflussen lassen:

  • Restharn in der Blase. Bleibt nach dem Wasserlassen Urin zurück, entsteht ein Reservoir. Restharn wird per Ultraschall gemessen und ist ein Standardbefund der Abklärung.
  • Frühere Harnwegsinfektionen. Sie gelten als eigenständiger Risikofaktor [1].
  • Erkrankungen mit Einfluss auf den Harntrakt. Ein nicht gut eingestellter Diabetes, Nierensteine oder eine Abflussbehinderung verändern die Ausgangslage.
  • Verstopfung. Sie erhöht den Druck im Becken und kann die vollständige Blasenentleerung erschweren.
  • Trinkverhalten. Wie viel und wann Sie trinken, gehört zu den Dingen, die Sie selbst steuern — mehr dazu im Beitrag Beckenboden und Trinkverhalten.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Umgehend ärztliche Hilfe suchen, wenn zu den Blasenbeschwerden eines dieser Zeichen kommt:

  • Fieber über 38 Grad Celsius, Flankenschmerz oder ein klopfschmerzhaftes Nierenlager — das deutet auf eine Beteiligung des Nierenbeckens hin [1]
  • sichtbares Blut im Urin
  • Übelkeit, Erbrechen oder ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • neu aufgetretene Verwirrtheit
  • plötzliche Unfähigkeit, Wasser zu lassen

Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn:

  • die Beschwerden innerhalb von sechs Monaten zum zweiten Mal auftreten [1]
  • die Beschwerden nach einer Behandlung rasch zurückkehren
  • Sie bereits mehrfach Antibiotika wegen Harnwegsinfektionen erhalten haben
  • Sie das Gefühl haben, die Blase nicht vollständig entleeren zu können
  • Sie Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Präparate zusätzlich zu verordneten Medikamenten einnehmen möchten

Wie sich wiederkehrende Infektionen von anderen Blasenbeschwerden unterscheiden, ordnet der Beitrag Blasenbeschwerden im Alter ein. Treten die Beschwerden vor allem nachts auf, lesen Sie Häufiger Harndrang nachts.

Häufige Fragen

Ab wann spricht man von wiederkehrenden Harnwegsinfekten?

Ab mindestens zwei symptomatischen Episoden innerhalb von sechs Monaten oder mindestens drei symptomatischen Episoden innerhalb von zwölf Monaten [1]. Gezählt werden nur Episoden mit Beschwerden. Ein positiver Urinbefund ohne Beschwerden fällt nicht darunter.

Warum treffen wiederkehrende Blasenentzündungen vor allem Frauen?

Die Harnröhre ist bei Frauen kürzer, sodass Bakterien einen kürzeren Weg zur Blase haben. Nach den Wechseljahren kommt hinzu, dass Schleimhaut und Scheidenflora sich verändern und Darmbakterien sich leichter ansiedeln können. Beides zusammen erklärt die deutlich höhere Häufigkeit.

Muss ein positiver Urintest immer behandelt werden?

Nein. Bakterien im Urin ohne Beschwerden sind eine asymptomatische Bakteriurie. Bei über 70-Jährigen liegt ihre Prävalenz zwischen 16 und 50 Prozent, und bei Frauen nach den Wechseljahren soll sie nicht behandelt werden [1]. Behandelt wird die Kombination aus Befund und Beschwerden.

Was ist der Unterschied zwischen einer Blasenentzündung und einer Nierenbeckenentzündung?

Bei einer Blasenentzündung stehen Brennen beim Wasserlassen, häufiger kleiner Harndrang und Schmerzen über dem Schambein im Vordergrund. Kommen Fieber über 38 Grad Celsius, Flankenschmerz oder ein klopfschmerzhaftes Nierenlager hinzu, deutet das auf eine Beteiligung des Nierenbeckens hin [1]. Das ist keine Situation zum Abwarten.

Kann ich selbst etwas tun, damit sie seltener wiederkommen?

Einiges lässt sich beeinflussen: die Blase vollständig und ohne Pressen entleeren, ausreichend über den Tag verteilt trinken, Verstopfung angehen. Was davon in Ihrem Fall greift, hängt von der Ursache ab — deshalb steht die Abklärung am Anfang.

 
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Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.

 

Quellen

[1] Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) et al.: S3-Leitlinie „Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten". AWMF-Register-Nr. 043-044, Version 3.0, Stand April 2024, gültig bis 08.04.2029. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/043-044

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

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