Ältere Frau geht mit Walkingstöcken auf einem Waldweg

Bewegung bei Gelenkbeschwerden: Was Ihren Gelenken guttut

Gelenke brauchen Bewegung, auch wenn sie schmerzen: Der Knorpel hat keine eigenen Blutgefäße und wird über die Gelenkflüssigkeit versorgt — und das funktioniert nur, wenn das Gelenk regelmäßig belastet und wieder entlastet wird. Die S3-Leitlinie zur Gonarthrose empfiehlt ausdrücklich, frühzeitig ein regelmäßiges Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining nach Anleitung durchzuführen und erlernte Übungen anschließend eigenständig fortzuführen [1]. Entscheidend ist nicht die Sportart, sondern die Dosierung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundprinzip: Regelmäßige, gleichmäßige Bewegung wird von Gelenken besser vertragen als seltene Belastungsspitzen.
  • Was die Leitlinie empfiehlt: Frühzeitiges regelmäßiges Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining nach Anleitung sowie eine an die individuellen Bedürfnisse angepasste Bewegungstherapie [1].
  • Realistische Erwartung: Bewegung wirkt über Wochen und in moderatem Ausmaß — sie ersetzt nicht die Behandlung der Grunderkrankung [2].
  • Dosierung: Steigern Sie erst die Häufigkeit, dann die Dauer, dann die Intensität — und immer nur einen dieser Punkte auf einmal.
  • Gewicht: Bei Übergewicht und Adipositas empfiehlt die Leitlinie eine Gewichtsreduktion mit praktischen Hinweisen zur Durchführung [1].

Warum Bewegung bei Gelenkbeschwerden eher hilft und nicht schadet

Viele Menschen mit Gelenkbeschwerden bewegen sich weniger, weil sie das Gelenk schützen wollen. Schonung bewirkt das Gegenteil: Die Muskulatur rund um das Gelenk nimmt ab, das Gelenk wird schlechter geführt, die Belastung verteilt sich ungünstiger — und die Beschwerden nehmen zu.


Bewegung wirkt an drei Stellen. Sie erhält und stärkt die Muskulatur, die das Gelenk führt und einen Teil der Last übernimmt. Sie erhält die Beweglichkeit, damit das Gelenk seinen vollen Bewegungsumfang behält. Und sie sorgt für den Wechsel von Druck und Entlastung, über den der Knorpel versorgt wird.


Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Belastung und Überlastung. Ein leichtes Ziehen während und kurz nach der Bewegung ist unproblematisch. Ein Schmerz, der Stunden später deutlich zunimmt oder bis zum nächsten Tag anhält, ist ein Zeichen dafür, dass die Dosis zu hoch war.

Welche Bewegungsformen sich eignen

Es gibt keine einzelne richtige Sportart. Geeignet ist, was Sie regelmäßig durchhalten und was Ihre Gelenke gleichmäßig statt stoßartig belastet.

  • Gehen und Walking. Erhält Ausdauer und Beweglichkeit bei gleichmäßiger Belastung. Achten Sie auf ebenen Untergrund und gut gedämpfte Schuhe, und steigern Sie die Strecke langsam.
  • Radfahren oder Ergometer. Bewegt Knie und Hüfte mit geringer Gelenkbelastung. Die Sattelhöhe so wählen, dass das Knie nicht stark gebeugt bleibt.
  • Wassergymnastik und Schwimmen. Der Auftrieb nimmt Last vom Gelenk und erlaubt einen großen Bewegungsumfang. Brustschwimmen kann die Knie belasten; Rücken- oder Kraulbeinschlag ist meist verträglicher.
  • Krafttraining mit Geräten oder Bändern. Stärkt die führende Muskulatur gezielt. Sinnvoll sind eine Einweisung durch Fachpersonal, langsame Bewegungen und kein Schwung.
  • Beweglichkeits- und Dehnübungen. Erhalten den Bewegungsumfang. Dehnen Sie bis zum spürbaren Zug, nicht bis zum Schmerz.

Für den Einstieg ist die Anleitung sinnvoll: Die Leitlinie empfiehlt, das Training zunächst nach Anleitung durchzuführen und erlernte Übungen anschließend eigenständig mit gelegentlicher Ergebnisprüfung fortzusetzen [1].

Wie Sie anfangen, ohne zu überlasten

Beginnen Sie unter dem, was Sie sich zutrauen. Wer mit einer zu hohen Dosis startet, hat nach wenigen Tagen mehr Beschwerden und hört wieder auf — das ist der häufigste Grund für ein Scheitern.


Erst die Häufigkeit, dann die Dauer, dann die Intensität. Steigern Sie in dieser Reihenfolge und immer nur einen Punkt auf einmal. Wenn Sie dreimal pro Woche zwanzig Minuten gut vertragen, erhöhen Sie zunächst auf vier Einheiten — nicht gleichzeitig auf dreißig Minuten mit höherem Tempo.


Aufwärmen und ausklingen lassen. Fünf Minuten lockeres Gehen oder Radfahren vor dem eigentlichen Training bereiten Gelenke und Muskulatur vor. Am Ende dieselbe Zeit in ruhigerem Tempo.


Feste Termine statt guter Vorsätze. Zwei bis drei feste Zeitfenster in der Woche sind verlässlicher als der Plan, sich täglich zu bewegen.


Auf schlechte Tage vorbereitet sein. Legen Sie sich eine kurze Ersatzvariante zurecht — zehn Minuten Beweglichkeitsübungen im Sitzen statt einer halben Stunde Gehen. Mit einer kurzen Ersatzvariante bricht die Routine an schlechten Tagen nicht ab.


Wenn morgens die Steifigkeit den Einstieg erschwert, hilft die Reihenfolge aus dem Beitrag Steife Gelenke am Morgen.

Was Bewegung leisten kann — und was nicht

Bewegung ist ein Baustein mit gut untersuchtem, aber moderatem Effekt — kein Ersatz für die Behandlung der Grunderkrankung. Studien zur Bewegungstherapie bei Kniearthrose zeigen Verbesserungen bei Schmerz und körperlicher Funktion, ordnen deren Größenordnung aber selbst zurückhaltend ein [2].


Das ist keine Entwarnung und kein Gegenargument, sondern eine realistische Erwartung: Bewegung wirkt langsam und über Wochen, nicht sprunghaft.


Neben Bewegung nennt die Leitlinie die Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Adipositas als eigene Empfehlung [1]. Welche Ursachen hinter Gelenkbeschwerden stecken können, ordnet der Beitrag Gelenkschmerzen im Alter ein.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Umgehend ärztlich vorstellen, wenn:

  • ein Gelenk plötzlich stark geschwollen, gerötet und überwärmt ist, besonders zusammen mit Fieber
  • ein Gelenk nach einem Sturz nicht mehr belastbar ist oder sichtbar fehlsteht
  • neu aufgetretene Kraftlosigkeit oder Taubheitsgefühle bestehen

Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn:

  • die Beschwerden nach jeder Bewegungseinheit deutlich zunehmen, obwohl Sie die Dosis bereits verringert haben
  • ein Gelenk immer wieder anschwillt
  • Sie unsicher sind, welche Bewegungsform für Ihre Gelenke geeignet ist
  • Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder anhaltende Abgeschlagenheit hinzukommen

Häufige Fragen

Darf ich mit Gelenkschmerzen überhaupt Sport treiben?

In den meisten Fällen ja, in angepasster Form. Die Leitlinie empfiehlt frühzeitiges regelmäßiges Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining nach Anleitung [1]. Bei einem akut geschwollenen, überwärmten oder nach einem Sturz schmerzenden Gelenk klären Sie vorher ärztlich ab.

Wie oft und wie lange sollte ich mich bewegen?

Regelmäßigkeit zählt mehr als Umfang. Zwei bis drei feste Einheiten pro Woche, mit denen Sie sich am Folgetag nicht schlechter fühlen, sind ein guter Ausgangspunkt. Steigern Sie erst die Häufigkeit, dann die Dauer, dann die Intensität.

Ist Schwimmen besser als Gehen?

Beides hat Vorteile. Im Wasser nimmt der Auftrieb Last vom Gelenk, was den Einstieg erleichtert. Gehen belastet das Gelenk stärker, trainiert aber genau die Alltagsfunktion, auf die es ankommt. Sinnvoll ist oft eine Kombination.

Muss ich Krafttraining machen, oder reicht Spazierengehen?

Gehen erhält Ausdauer und Beweglichkeit, baut aber nur wenig Kraft auf. Da die Muskulatur das Gelenk führt und entlastet, ist ein zusätzliches Kräftigungstraining sinnvoll. Die Leitlinie nennt Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining ausdrücklich gemeinsam [1].

Bringt es noch etwas, wenn ich erst mit 70 anfange?

Muskulatur lässt sich in jedem Alter aufbauen. Beginnen Sie mit kleiner Dosis und steigern Sie langsam — der Effekt entsteht über Wochen regelmäßiger Anwendung, nicht über einzelne intensive Einheiten.

 
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Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.

 

Quellen

[1] Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): S3-Leitlinie „Prävention und Therapie der Gonarthrose (Living Guideline)". AWMF-Register-Nr. 187-050, Version 5.0, Stand 15.07.2024, nächste Überprüfung geplant bis 11.07.2029. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-050


[2] Lawford BJ, Hall M, Hinman RS, et al. Exercise for osteoarthritis of the knee. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2024;12:CD004376. PMID: 39625083. DOI: 10.1002/14651858.CD004376.pub4

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

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