Arthrose: Wie Gelenkverschleiß entsteht und was er bedeutet
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Arthrose ist eine Erkrankung des gesamten Gelenks, bei der sich der Gelenkknorpel über Jahre verändert und abbaut, während sich zugleich der darunterliegende Knochen, die Gelenkinnenhaut und die umgebenden Weichteile umbauen. Sie ist die häufigste Gelenkerkrankung im höheren Lebensalter: In der Erhebung GEDA 2014/2015-EHIS berichteten 17,9 % der Erwachsenen ab 18 Jahren eine Arthrose in den letzten zwölf Monaten, in der Altersgruppe ab 65 Jahren 48,1 % der Frauen und 31,2 % der Männer [1]. Arthrose verläuft nicht bei allen gleich — und ein Befund im Röntgenbild sagt für sich genommen wenig über die Beschwerden aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Was passiert: Der Gelenkknorpel verliert Elastizität und Substanz; parallel verändern sich der angrenzende Knochen, die Gelenkinnenhaut und die umgebenden Weichteile.
- Häufigkeit: 17,9 % der Erwachsenen ab 18 Jahren berichteten eine Arthrose in den letzten zwölf Monaten, ab 65 Jahren 48,1 % der Frauen und 31,2 % der Männer [1].
- Typische Zeichen: Ein belastungsabhängiger Schmerz, ein Anlaufschmerz nach Ruhe und eine allenfalls kurze Morgensteifigkeit von höchstens 30 Minuten [3].
- Diagnose: Bei Menschen ab 45 Jahren mit belastungsabhängigem Gelenkschmerz und höchstens 30 Minuten Morgensteifigkeit ist eine klinische Diagnose ohne Bildgebung möglich [3].
- Wann zum Arzt: Ein plötzlich stark geschwollenes, gerötetes und überwärmtes Gelenk passt nicht zum Bild einer Arthrose und gehört rasch untersucht.
Was bei Arthrose im Gelenk passiert
Gelenkknorpel ist eine glatte, druckelastische Schicht auf den Knochenenden. Er enthält keine Blutgefäße und keine Nerven und wird über die Gelenkflüssigkeit ernährt — das funktioniert nur, wenn das Gelenk regelmäßig bewegt und dabei abwechselnd belastet und entlastet wird.
Bei einer Arthrose verliert der Knorpel Wasser und Elastizität, seine Oberfläche wird rau, und er wird über die Jahre dünner. Der Umbau bleibt nicht auf den Knorpel beschränkt. Der darunterliegende Knochen verdichtet sich und bildet an den Rändern knöcherne Anbauten. Die Gelenkinnenhaut kann sich phasenweise entzünden, und dann schwillt das Gelenk an, wird warm und schmerzt auch in Ruhe. Diese Phasen werden als aktivierte Arthrose bezeichnet.
Weil der Knorpel selbst keine Nerven enthält, entstehen die Schmerzen nicht im Knorpel. Sie gehen von Knochenhaut, Gelenkkapsel, Gelenkinnenhaut und den umgebenden Weichteilen aus. Das erklärt, warum ausgeprägte Röntgenbefunde und starke Beschwerden nicht zwangsläufig zusammenfallen.
Welche Gelenke am häufigsten betroffen sind
Arthrose kann grundsätzlich jedes Gelenk betreffen, tritt aber an einigen deutlich häufiger auf. Die Beschwerden unterscheiden sich je nach Gelenk erheblich.
- Kniegelenk. Schmerz beim Treppabgehen und beim Aufstehen aus dem Sitzen, teils mit Schwellung. Eingeschränkt sind längeres Gehen, Treppen und Knien.
- Hüftgelenk. Leisten- oder Gesäßschmerz, der teils in den Oberschenkel ausstrahlt. Schuhe und Socken anziehen sowie Ein- und Aussteigen fallen schwer.
- Fingergelenke. Knotige Verdickungen an den End- und Mittelgelenken mit Steifigkeit. Knöpfe, das Öffnen von Gläsern und feine Handarbeit werden mühsam.
- Daumensattelgelenk. Schmerz beim Greifen und Zudrehen — Flaschen öffnen und Schlüssel drehen sind typische Alltagshürden.
- Wirbelsäulengelenke. Belastungsabhängiger Rückenschmerz und morgens kurze Steifigkeit. Längeres Stehen, Bücken und Drehbewegungen sind eingeschränkt.
Ob eine Arthrose an mehreren Gelenken gleichzeitig auftritt, ist eine wichtige Beobachtung für das ärztliche Gespräch — ebenso wie die Frage, ob die Beschwerden symmetrisch auf beiden Körperseiten bestehen.
Wie Arthrose festgestellt wird
Am Anfang steht die Schilderung der Beschwerden. Als typische Merkmale gelten ein belastungsabhängiger Schmerz, der zum Tagesende hin zunimmt und in Ruhe nachlässt, ein Gefühl der Unsicherheit im Gelenk, eine nur milde Morgen- oder Inaktivitätssteifigkeit sowie eine eingeschränkte Funktion [4].
Die körperliche Untersuchung prüft Beweglichkeit, Druckschmerz, Umfangsvermehrung, Reibegeräusche und knöcherne Verdickungen. Ein Röntgenbild ist für die Diagnose nicht in jedem Fall erforderlich: Bei Menschen ab 45 Jahren mit belastungsabhängigem Gelenkschmerz und keiner oder höchstens 30 Minuten anhaltender Morgensteifigkeit lässt sich eine Arthrose klinisch und ohne Bildgebung diagnostizieren [3].
Sinnvoll wird eine Bildgebung, wenn die Diagnose unklar ist, wenn ein Eingriff geplant wird oder wenn Hinweise auf eine andere Ursache bestehen. Blutwerte sind bei einer reinen Arthrose typischerweise unauffällig; sie dienen vor allem der Abgrenzung gegenüber entzündlichen und kristallbedingten Gelenkerkrankungen.
Wie Arthrose verläuft — und was den Verlauf beeinflusst
Arthrose entwickelt sich über Jahre und verläuft selten geradlinig. Auf Phasen mit wenig Beschwerden folgen Phasen mit deutlich mehr, oft ausgelöst durch ungewohnte Belastung, längeres Stillsitzen oder eine Entzündungsphase im Gelenk. Ein einmal veränderter Knorpel bildet sich nicht zurück. Das bedeutet aber nicht, dass die Beschwerden zwangsläufig zunehmen müssen.
Beeinflussbar sind vor allem drei Dinge. Erstens die Muskulatur rund um das Gelenk: Sie führt und entlastet das Gelenk, und sie lässt sich in jedem Alter trainieren. Die S3-Leitlinie zur Gonarthrose empfiehlt, frühzeitig ein regelmäßiges Kräftigungs- und Beweglichkeitstraining nach Anleitung durchzuführen und erlernte Übungen anschließend eigenständig fortzuführen [2]. Zweitens das Körpergewicht: Bei Übergewicht und Adipositas empfiehlt dieselbe Leitlinie eine Gewichtsreduktion mit praktischen Hinweisen zur Durchführung [2]. Drittens die Art der Belastung — regelmäßige, gleichmäßige Bewegung wird besser vertragen als seltene Belastungsspitzen.
Wie sich Bewegung im Alltag dosieren lässt, beschreibt der Beitrag Bewegung bei Gelenkbeschwerden.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Umgehend ärztlich vorstellen, wenn:
- ein Gelenk plötzlich stark geschwollen, gerötet und überwärmt ist, besonders mit Fieber oder Schüttelfrost
- ein Gelenk nach einem Sturz nicht mehr belastbar ist oder sichtbar fehlsteht
- zu den Gelenkbeschwerden Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder anhaltende Abgeschlagenheit kommen
Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn:
- die Morgensteifigkeit regelmäßig länger als 30 Minuten anhält — das passt nicht zum typischen Bild einer Arthrose [3]
- mehrere Gelenke neu und gleichzeitig betroffen sind
- die Beschwerden Sie nachts wecken
- ein Gelenk immer wieder anschwillt
- die Einschränkung im Alltag zunimmt, obwohl Sie regelmäßig üben
Eine Einordnung der verschiedenen Ursachen von Gelenkschmerzen finden Sie im Beitrag Gelenkschmerzen im Alter, die Bedeutung der Steifigkeitsdauer im Beitrag Steife Gelenke am Morgen.
Häufige Fragen
Ist Arthrose dasselbe wie Arthritis?
Nein. Arthrose bezeichnet den über Jahre fortschreitenden Umbau eines Gelenks, Arthritis eine Gelenkentzündung. Beides kann zusammen auftreten: Bei einer aktivierten Arthrose entzündet sich die Gelenkinnenhaut vorübergehend.
Bedeutet ein Arthrose-Befund im Röntgenbild, dass ich Schmerzen bekomme?
Nicht zwangsläufig. Der Knorpel selbst enthält keine Nerven; die Schmerzen entstehen in anderen Strukturen des Gelenks. Deshalb gibt es Menschen mit deutlichen Röntgenbefunden und wenig Beschwerden — und umgekehrt.
Woran erkenne ich, ob die Steifigkeit entzündlich ist?
Entzündlich bedingte Steifigkeit dauert länger, bessert sich mit Bewegung und geht häufiger mit Schwellung, Überwärmung, Nachtschmerz oder Allgemeinsymptomen einher. Verschleißbedingte Steifigkeit ist kurz und der Schmerz nimmt unter Belastung eher zu.
Warum sind Frauen häufiger betroffen?
Der Geschlechterunterschied ist deutlich: 21,8 % der Frauen und 13,9 % der Männer berichteten eine Arthrose in den letzten zwölf Monaten [1]. Die Gründe sind nicht abschließend geklärt; diskutiert werden hormonelle Einflüsse, Unterschiede in Gelenkbau und Muskelmasse sowie die höhere Lebenserwartung.
Muss eine Arthrose am Ende operiert werden?
Nein. Ein Gelenkersatz ist eine Option, wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind und der Leidensdruck hoch ist. Viele Menschen mit Arthrose kommen dauerhaft ohne Operation aus.
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Quellen
[1] Fuchs J, Kuhnert R, Scheidt-Nave C. 12-Monats-Prävalenz von Arthrose in Deutschland. Journal of Health Monitoring. 2017;2(3):55–60. DOI: 10.17886/RKI-GBE-2017-054. https://edoc.rki.de/handle/176904/2784
[2] Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): S3-Leitlinie „Prävention und Therapie der Gonarthrose (Living Guideline)". AWMF-Register-Nr. 187-050, Version 5.0, Stand 15.07.2024, nächste Überprüfung geplant bis 11.07.2029. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-050
[3] National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management. NICE guideline NG226, 19.10.2022. https://www.nice.org.uk/guidance/ng226
[4] Zhang W, Doherty M, Peat G, et al. EULAR evidence-based recommendations for the diagnosis of knee osteoarthritis. Annals of the Rheumatic Diseases. 2010;69(3):483–489. PMID: 19762361. DOI: 10.1136/ard.2009.113100
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.