Gefäßalterung und Arteriensteifigkeit: Warum Gefäße steifer werden
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Arteriensteifigkeit beschreibt, wie wenig nachgiebig die großen Schlagadern auf jeden Herzschlag reagieren. Mit den Jahren zerfasern die elastischen Fasern in der Gefäßwand, es lagert sich mehr Kollagen ein, und die Wand wird starrer — deshalb steigt der obere Blutdruckwert im Alter, während der untere gleich bleibt oder sinkt [1]. Messbar ist das über die Pulswellengeschwindigkeit; beeinflussbar ist es vor allem über Blutdruck, Bewegung und Rauchverzicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Was es ist: Arteriensteifigkeit bezeichnet den Verlust der Dehnbarkeit der großen, herznahen Schlagadern. Eine gesunde Hauptschlagader dämpft die Druckschwankungen jedes Herzschlags ab [2].
- Warum es passiert: Die ständige mechanische Beanspruchung ermüdet die elastischen Fasern der Gefäßwand; parallel lagert sich mehr Kollagen ein [1].
- Woran man es merkt: Der obere Blutdruckwert steigt, während der untere gleich bleibt oder sinkt — der Abstand zwischen beiden Werten wird größer [1].
- Warum es zählt: Steifere Gefäße leiten mehr Pulsationsenergie in die feinen Gefäße von Gehirn und Nieren weiter [2].
- Was beeinflussbar ist: Vor allem Blutdruck, regelmäßige Ausdaueraktivität und Rauchverzicht [5].
Was Arteriensteifigkeit überhaupt bedeutet
Die Hauptschlagader ist kein starres Rohr, sondern ein elastischer Puffer. Bei jedem Herzschlag dehnt sie sich, nimmt Blutvolumen auf und gibt es in der Erschlaffungsphase wieder ab.
Dieses Puffern hat einen Zweck: Es glättet den pulsierenden Blutstrom, bevor er die feinen Gefäße in Gehirn und Nieren erreicht. Lässt die Pufferfunktion nach, dringt mehr Pulsationsenergie in diese empfindlichen Gefäßbetten vor [2].
Arteriensteifigkeit ist damit keine eigene Krankheit, sondern eine Eigenschaft des Gefäßsystems — eine Art Gefäßalter, das nicht zwingend dem Lebensalter entspricht.
Was in der Gefäßwand passiert
Die Wand einer großen Arterie besteht unter anderem aus Elastinfasern, die Dehnbarkeit ermöglichen, und aus Kollagen, das Zugfestigkeit gibt. Ihr Verhältnis entscheidet über die Nachgiebigkeit.
Der Vorgang läuft so ab: Die wiederholte Belastung durch jeden Herzschlag ermüdet die Elastinstruktur, die dadurch mit der Zeit brüchig wird. Das Gefäß weitet sich, und die Wand versteift [1].
Hinzu kommt die Innenauskleidung der Gefäße, das Endothel. Sie reguliert über Botenstoffe die Gefäßweite, und diese Regulationsfähigkeit lässt mit dem Alter nach.
Woran sich steife Gefäße im Blutdruck zeigen
Der praktisch wichtigste Hinweis steht auf jedem Blutdruckmessgerät: der Abstand zwischen oberem und unterem Wert.
Bei elastischen Gefäßen liegt er bei etwa 40 mmHg — zum Beispiel 120 zu 80. Werden die Gefäße steifer, steigt der obere Wert, während der untere gleich bleibt oder sogar sinkt. Ein Wert von 160 zu 70 mmHg mit einem Abstand von 90 mmHg ist ein typisches Bild im höheren Alter.
Fachlich lässt sich die Gefäßsteifigkeit über die sogenannte Pulswellengeschwindigkeit messen. In der hausärztlichen Regelversorgung wird sie in Deutschland allerdings nicht routinemäßig bestimmt — sie ist überwiegend ein Instrument der Forschung. Für den Alltag bleibt der Blutdruck der relevante Messwert, mehr dazu im Beitrag Bluthochdruck verstehen.
Warum steife Gefäße medizinisch relevant sind
Steife Gefäße sind kein kosmetisches Problem. Wenn die Hauptschlagader den Puls nicht mehr abfedert, gelangt mehr Druckenergie in die feinen Gefäße von Gehirn, Nieren und Augen — also genau dorthin, wo Schäden folgenreich sind.
Langzeitbeobachtungen zeigen entsprechend, dass Menschen mit ausgeprägter Gefäßsteifigkeit häufiger Herz-Kreislauf-Ereignisse erleben als Menschen mit elastischeren Gefäßen [3]. Das beschreibt ein durchschnittliches Gruppenrisiko, keine Vorhersage für eine einzelne Person.
Welche Faktoren den Verlauf beeinflussen
Nicht alles an der Gefäßalterung ist beeinflussbar, aber ein relevanter Teil.
- Blutdruck. Er ist neben dem Alter die wichtigste Bestimmungsgröße der Steifigkeit [2]. Dabei entsteht eine Rückkopplung: Steifere Gefäße erhöhen den Blutdruck, ein höherer Blutdruck erhöht die Steifigkeit [2].
- Bewegung. Regelmäßiges Ausdauertraining verbessert die Gefäßelastizität messbar — am deutlichsten bei denjenigen, deren Gefäße zu Beginn am steifsten waren [4]. Reines Krafttraining zeigt diesen Effekt nicht.
- Rauchen. Rauchen erhöht die Gefäßsteifigkeit, und ein Rauchstopp kehrt einen Teil dieser Wirkung wieder um [5]. Das gilt auch dann noch, wenn jemand jahrzehntelang geraucht hat.
- Weitere Lebensstilfaktoren. Gewichtsabnahme, Trainingstherapie, eine ausgewogene Ernährung und eine salzarme Kost wirken in dieselbe Richtung [1]. Praktische Umsetzung finden Sie im Beitrag Bewegung und Ernährung fürs Herz.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Sofort den Notruf 112 wählen bei:
- Brustschmerz oder Druckgefühl über mehrere Minuten
- plötzlicher starker Luftnot
- Sprach-, Seh- oder Gefühlsstörung, einseitiger Lähmung
- heftigstem, plötzlich einsetzendem Kopfschmerz
Wichtig für Frauen: Ein Herzinfarkt zeigt sich bei Frauen häufiger ohne den typischen Brustschmerz. Stattdessen können Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch, im Rücken oder im Kiefer, ausgeprägte Erschöpfung, Atemnot oder kalter Schweiß im Vordergrund stehen.
Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn:
- Ihr systolischer Wert wiederholt bei 140 mmHg oder darüber liegt, auch wenn der untere Wert normal ist
- der Abstand zwischen oberem und unterem Wert deutlich größer wird
- Sie beim Gehen reproduzierbar Wadenschmerzen bekommen, die in Ruhe nachlassen
- Ihre Belastbarkeit über Wochen abnimmt
- Sie rauchen und über einen Rauchstopp mit ärztlicher Begleitung nachdenken
Einen Überblick über alle altersbedingten Veränderungen am Herz-Kreislauf-System gibt der Beitrag Herzgesundheit im Alter.
Häufige Fragen
Ist Arteriensteifigkeit dasselbe wie Arterienverkalkung?
Nein. Arteriensteifigkeit beschreibt den Verlust der Dehnbarkeit der Gefäßwand insgesamt. Arteriosklerose bezeichnet die Ablagerung von Plaques in der Gefäßinnenwand. Beides tritt im höheren Alter häufig zusammen auf, ist aber nicht dasselbe.
Kann ich Arteriensteifigkeit selbst messen?
Nicht direkt. Handelsübliche Blutdruckmessgeräte bestimmen keine Gefäßsteifigkeit. Manche zeigen ein berechnetes „Gefäßalter" an — das ist eine Schätzung aus Blutdruck und Lebensalter, keine Messung. Aussagekräftiger ist der Abstand zwischen oberem und unterem Wert.
Lässt sich die Gefäßsteifigkeit wieder verringern?
Teilweise. Regelmäßiges Ausdauertraining verbessert die Elastizität messbar, besonders bei ausgeprägter Ausgangssteifigkeit [5]. Die strukturellen Veränderungen an den Elastinfasern selbst bilden sich dadurch nicht zurück.
Warum steigt mit steifen Gefäßen der obere Blutdruckwert?
Weil ein höherer Druck nötig ist, um ein starreres Gefäßsystem zu dehnen — und weil die zurücklaufende Druckwelle früher am Herzen ankommt und den Druck zusätzlich anhebt [1].
Ab welchem Alter beginnt die Gefäßalterung?
Sie ist ein lebenslanger Vorgang und lässt sich nicht an einem Alter festmachen. Spürbar wird sie meist ab der zweiten Lebenshälfte, wenn der obere Blutdruckwert zu steigen beginnt. Wie schnell sie fortschreitet, hängt stark von den beeinflussbaren Faktoren ab.
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Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.
Quellen
[1] Laurent S, Boutouyrie P. Arterial Stiffness and Hypertension in the Elderly. Frontiers in Cardiovascular Medicine. 2020;7:544302. PMID: 33330638. DOI: 10.3389/fcvm.2020.544302
[2] Boutouyrie P, Chowienczyk P, Humphrey JD, Mitchell GF. Arterial Stiffness and Cardiovascular Risk in Hypertension. Circulation Research. 2021;128(7):864–886. PMID: 33793325. DOI: 10.1161/CIRCRESAHA.121.318061
[3] Vlachopoulos C, Aznaouridis K, Stefanadis C. Prediction of cardiovascular events and all-cause mortality with arterial stiffness. Journal of the American College of Cardiology. 2010;55(13):1318–1327. PMID: 20338492. DOI: 10.1016/j.jacc.2009.10.061
[4] Ashor AW, Lara J, Siervo M, Celis-Morales C, Mathers JC. Effects of exercise modalities on arterial stiffness and wave reflection. PLoS One. 2014;9(10):e110034. PMID: 25333969. DOI: 10.1371/journal.pone.0110034
[5] Saz-Lara A, Cavero-Redondo I, Álvarez-Bueno C, et al. The effect of smoking and smoking cessation on arterial stiffness. European Journal of Cardiovascular Nursing. 2022;21(4):297–306. PMID: 34741612. DOI: 10.1093/eurjcn/zvab102
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.