Bluthochdruck verstehen: Grenzwerte, Ursachen und Diagnose
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Von Bluthochdruck spricht man ab einem bestätigten Praxiswert von 140 mmHg systolisch oder 90 mmHg diastolisch; Werte von 120 bis 139 mmHg systolisch oder 70 bis 89 mmHg diastolisch gelten als erhöhter Blutdruck, aber noch nicht als Hypertonie [1]. Entscheidend ist nicht die einzelne Messung, sondern der bestätigte Wert aus mehreren Messungen. Bluthochdruck tut in der Regel nicht weh — er wird fast immer durch Messen entdeckt, nicht durch Beschwerden.
Das Wichtigste in Kürze
- Definition: Bluthochdruck liegt ab einem bestätigten Praxiswert von 140 mmHg systolisch oder 90 mmHg diastolisch vor [1].
- Häufigkeit: In der Altersgruppe ab 65 Jahren gaben 63,8 % der Frauen und 65,1 % der Männer einen ärztlich diagnostizierten Bluthochdruck an [2].
- Typische Form im Alter: Die isolierte systolische Hypertonie, bei der nur der obere Wert erhöht ist, ist nach dem 60. Lebensjahr die häufigste Form [3].
- Beschwerden: Bluthochdruck verläuft meist ohne Symptome. Kopfschmerz, Schwindel oder Nasenbluten sind unzuverlässige Hinweise.
- Wann zum Arzt: Bei wiederholt selbst gemessenen Werten ab 140 zu 90 mmHg, bei Werten ab 180 zu 110 mmHg mit Beschwerden sofort.
Was der Blutdruck misst und was die beiden Zahlen bedeuten
Der Blutdruck ist der Druck, mit dem das Blut auf die Gefäßwand drückt. Er wird in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) angegeben und besteht aus zwei Zahlen.
Der obere, systolische Wert entsteht in dem Moment, in dem das Herz Blut in die Hauptschlagader auswirft. Der untere, diastolische Wert beschreibt den Druck, der zwischen zwei Herzschlägen im Gefäßsystem bestehen bleibt, während sich das Herz wieder füllt.
Der Abstand zwischen beiden Werten heißt Pulsdruck. Bei 120 zu 80 mmHg beträgt er 40 mmHg. Ein deutlich größerer Abstand — etwa 165 zu 75 mmHg — ist im höheren Lebensalter typisch und hängt mit der abnehmenden Elastizität der großen Arterien zusammen [3].
Welche Grenzwerte gelten
Für die Praxismessung gelten drei Kategorien [1]:
- Nicht erhöhter Blutdruck. Unter 120 mmHg systolisch und unter 70 mmHg diastolisch.
- Erhöhter Blutdruck. 120 bis 139 mmHg systolisch oder 70 bis 89 mmHg diastolisch.
- Bluthochdruck (Hypertonie). Ab 140 mmHg systolisch oder ab 90 mmHg diastolisch.
Zwei Punkte sind für das Verständnis wichtig. Erstens genügt es, wenn einer der beiden Werte die Schwelle erreicht — der andere muss nicht mit erhöht sein. Zweitens ist „erhöhter Blutdruck" keine Diagnose, sondern ein Bereich, in dem das weitere Vorgehen von den übrigen Risikofaktoren abhängt [1].
Für Menschen, die bereits behandelt werden, gilt ein systolischer Zielbereich von 120 bis 129 mmHg. Bei Personen ab 85 Jahren, bei ausgeprägter Gebrechlichkeit oder bei Kreislaufbeschwerden im Stehen können ausdrücklich großzügigere Zielwerte erwogen werden [1].
Warum im Alter meist nur der obere Wert steigt
Die großen herznahen Arterien puffern im jungen Erwachsenenalter jeden Herzschlag ab, weil ihre Wand elastisch nachgibt. Mit den Jahren lässt diese Dehnbarkeit nach.
Die Folge ist eine Verschiebung: Der systolische Wert steigt auch nach dem 50. Lebensjahr weiter an, während der diastolische gleich bleibt oder sinkt [3]. Daraus entsteht die isolierte systolische Hypertonie — ein oberer Wert über 140 mmHg bei einem unteren unter 90 mmHg, nach dem 60. Lebensjahr die häufigste Form [3].
Ein Wert von 158 zu 76 mmHg ist also Bluthochdruck, auch wenn der untere Wert unauffällig aussieht. Die Hintergründe dazu lesen Sie im Beitrag Gefäßalterung und Arteriensteifigkeit.
Welche Ursachen infrage kommen
Bei der großen Mehrheit lässt sich keine einzelne Ursache benennen; fachlich heißt das primäre oder essenzielle Hypertonie. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von Veranlagung, Lebensalter, Körpergewicht, Salzzufuhr, Bewegungsmangel, Alkoholkonsum und Stressbelastung.
Von einer sekundären Hypertonie spricht man, wenn eine andere Erkrankung den Blutdruck treibt. Dazu zählen unter anderem Nierenerkrankungen, hormonelle Störungen der Nebenniere oder der Schilddrüse und die obstruktive Schlafapnoe.
Der Verdacht auf eine sekundäre Ursache liegt näher, wenn der Bluthochdruck sehr plötzlich auftritt, sehr hoch ist, trotz Behandlung nicht sinkt oder in jungen Jahren beginnt. Diese Abgrenzung trifft die Praxis, nicht die Selbstmessung.
Wie richtig gemessen wird
Ein großer Teil auffälliger Werte entsteht durch Messfehler. Diese Regeln beheben die häufigsten:
- Fünf Minuten ruhig sitzen, bevor gemessen wird. Nicht direkt nach dem Treppensteigen, Kaffee oder Rauchen.
- Manschette am Oberarm, in Herzhöhe, direkt auf der Haut. Handgelenkgeräte sind fehleranfälliger.
- Passende Manschettengröße. Eine zu kleine Manschette liefert zu hohe Werte.
- Rücken angelehnt, Füße flach auf dem Boden, Beine nicht überschlagen, während der Messung nicht sprechen.
- Zweimal messen, im Abstand von ein bis zwei Minuten, und den zweiten Wert notieren.
- Über sieben Tage messen, morgens und abends, und die Werte mit in die Praxis nehmen.
Eine einzelne hohe Messung ist keine Diagnose. Die stellt die Praxis anhand bestätigter Werte, oft ergänzt durch eine 24-Stunden-Messung.
Was ein unbehandelter Bluthochdruck bedeutet
Dauerhaft erhöhter Druck belastet die Gefäßwand und damit die Organe, die auf feine Gefäße angewiesen sind: Herz, Gehirn, Nieren und Augen. Bluthochdruck zählt zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Nierenfunktionsstörungen.
Die gute Nachricht ist die Beeinflussbarkeit. Eine Salzreduktion um rund 4 Gramm pro Tag senkte den systolischen Blutdruck im Mittel um etwa 4 mmHg, bei Menschen mit Bluthochdruck etwas mehr [4]. Konkrete Umsetzungsschritte finden Sie im Beitrag Bewegung und Ernährung fürs Herz.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Sofort den Notruf 112 wählen bei sehr hohen Werten ab etwa 180 zu 110 mmHg zusammen mit einem dieser Zeichen:
- Brustschmerz oder starke Luftnot
- Sprach-, Seh- oder Gefühlsstörung, einseitige Lähmung
- heftigster, plötzlich einsetzender Kopfschmerz
- Verwirrtheit, Krampfanfall oder Bewusstseinsstörung
Wichtig für Frauen: Ein Herzinfarkt zeigt sich bei Frauen häufiger ohne den typischen Brustschmerz. Stattdessen können Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen im Oberbauch, Rücken oder Kiefer, ausgeprägte Erschöpfung, Atemnot oder kalter Schweiß im Vordergrund stehen.
Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn:
- Ihre selbst gemessenen Werte wiederholt bei 140 zu 90 mmHg oder darüber liegen
- Ihr Blutdruck trotz Behandlung nicht in den Zielbereich kommt
- Ihre Werte stark schwanken oder morgens deutlich höher liegen als abends
- Sie schnarchen und tagsüber ausgeprägt müde sind — das kann auf eine Schlafapnoe hinweisen
Häufige Fragen
Ab welchem Wert ist Bluthochdruck behandlungsbedürftig?
Bluthochdruck ist ab einem bestätigten Praxiswert von 140 mmHg systolisch oder 90 mmHg diastolisch definiert [1]. Ob und wie behandelt wird, hängt zusätzlich vom Gesamtrisiko und von Begleiterkrankungen ab. Diese Abwägung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Merkt man Bluthochdruck?
In der Regel nicht. Er verläuft über Jahre beschwerdefrei und wird meist zufällig bei einer Messung entdeckt. Kopfschmerz, Nasenbluten oder Schwindel sind keine verlässlichen Anzeichen und treten ebenso oft bei normalem Blutdruck auf.
Warum ist nur mein oberer Wert zu hoch?
Das ist im höheren Lebensalter der Regelfall. Weil die großen Arterien an Elastizität verlieren, steigt der systolische Wert weiter an, während der diastolische gleich bleibt oder sinkt [3]. Diese isolierte systolische Hypertonie ist nach dem 60. Lebensjahr die häufigste Form [3].
Wie oft sollte ich zu Hause messen?
Für die Einordnung hat sich eine Messwoche bewährt: sieben Tage lang morgens und abends je zwei Messungen, notiert mit Datum und Uhrzeit. Bei stabiler Einstellung genügen danach kürzere Kontrollintervalle. Die Häufigkeit stimmen Sie am besten in der Praxis ab.
Kann Aufregung beim Arzt die Werte verfälschen?
Ja, das ist als Praxishochdruck bekannt: In der Praxis gemessene Werte liegen höher als zu Hause. Genau deshalb werden Selbstmessungen oder eine 24-Stunden-Messung zur Diagnosesicherung herangezogen.
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Quellen
[1] McEvoy JW, McCarthy CP, Bruno RM, et al. 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. European Heart Journal. 2024;45(38):3912–4018. DOI: 10.1093/eurheartj/ehae178
[2] Neuhauser H, Kuhnert R, Born S. 12-Monats-Prävalenz von Bluthochdruck in Deutschland. Journal of Health Monitoring. 2017;2(1):57–63. DOI: 10.17886/RKI-GBE-2017-007
[3] Laurent S, Boutouyrie P. Arterial Stiffness and Hypertension in the Elderly. Frontiers in Cardiovascular Medicine. 2020;7:544302. PMID: 33330638. DOI: 10.3389/fcvm.2020.544302
[4] He FJ, Li J, MacGregor GA. Effect of longer term modest salt reduction on blood pressure. BMJ. 2013;346:f1325. PMID: 23558162. DOI: 10.1136/bmj.f1325
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.