Ältere Frau wärmt ihre Hände an einer Tasse Tee

Kalte Hände und Füße: Wann es harmlos ist und wann nicht

Kalte Hände und Füße entstehen meist dadurch, dass der Körper bei Kälte die Durchblutung der Haut drosselt, um Wärme im Rumpf zu halten — ein normaler Regelvorgang, der mit den Jahren träger und ausgeprägter wird. Auffällig wird es, wenn Finger oder Zehen anfallsartig weiß werden und danach blau oder rot anlaufen, wenn nur eine Seite betroffen ist oder wenn beim Gehen Wadenschmerzen dazukommen. Diese Zeichen gehören ärztlich eingeordnet, die alltägliche Kälteempfindlichkeit nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Häufigster Grund: Die normale Engstellung der Hautgefäße bei Kälte. Sie schützt die Körperkerntemperatur und ist keine Krankheit.
  • Raynaud-Phänomen: Anfallsartige, scharf begrenzte Farbveränderungen der Finger. Etwa 3 bis 5 % der Bevölkerung sind betroffen [1].
  • Durchblutungsstörung der Beine: Ihr Leitsymptom ist nicht die Kälte, sondern reproduzierbarer Wadenschmerz beim Gehen [3].
  • Andere Ursachen: Eine Schilddrüsenunterfunktion geht häufig mit Kälteintoleranz einher [4].
  • Wann zum Arzt: Bei einseitiger Kälte, offenen Stellen an Fingern oder Zehen, Wadenschmerz beim Gehen oder plötzlich kaltem, blassem und schmerzhaftem Bein sofort.

Warum Hände und Füße überhaupt auskühlen

Der Körper hält die Temperatur der inneren Organe konstant und behandelt Haut, Finger und Zehen dabei als Reserve. Wird es kühl, verengen sich die kleinen Hautgefäße, weniger warmes Blut fließt in die Randbereiche, und die Wärme bleibt im Rumpf.


Dieser Mechanismus arbeitet an Händen und Füßen besonders kräftig, weil dort viele kleine Gefäße auf wenig Gewebemasse kommen. Deshalb kühlen genau diese Bereiche zuerst aus.


Im höheren Lebensalter kommen mehrere Faktoren zusammen: Das Unterhautfettgewebe wird dünner, die Muskelmasse nimmt ab und damit die Wärmeproduktion, und die Gefäßregulation reagiert träger. Kalte Hände und Füße werden dadurch häufiger, ohne dass eine Erkrankung vorliegen muss.

Wann es das Raynaud-Phänomen sein kann

Beim Raynaud-Phänomen verengen sich die Fingerarterien anfallsartig. Typisch ist eine scharf begrenzte Weißfärbung einzelner Finger, oft ausgelöst durch Kälte oder emotionale Belastung, gefolgt von einer bläulichen und beim Wiedererwärmen einer roten Phase mit Kribbeln oder Schmerz.


Etwa 3 bis 5 % der Bevölkerung sind betroffen [1]. Unterschieden wird zwischen einer primären Form ohne zugrundeliegende Erkrankung und einer sekundären Form, die im Rahmen einer Bindegewebserkrankung auftritt.


Auf eine sekundäre Form können verhärtete oder geschwollene Finger, kleine eingezogene Narben an den Fingerkuppen und sichtbar erweiterte Hautgefäße hinweisen [1]. Diese Abgrenzung gehört in ärztliche Hände — sie entscheidet über die weitere Diagnostik [2].

Wann die Beine das Problem sind

Kalte Füße können auch durch verengte Beinarterien entstehen. Das Leitsymptom der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ist jedoch nicht die Kälte, sondern ein reproduzierbarer Schmerz in Wade, Oberschenkel oder Gesäß, der beim Gehen auftritt und im Stehen nachlässt.


Festgestellt wird sie über den Knöchel-Arm-Index — ein Vergleich des Blutdrucks am Knöchel mit dem am Arm, der mit Manschette und Doppler-Sonde in wenigen Minuten bestimmt ist. Ein Wert von 0,9 oder darunter gilt als beweisend [3].


Wichtig zu wissen: Die Mehrzahl der Betroffenen bemerkt zunächst nichts. Auf jede Person mit Beschwerden kommen etwa vier ohne [3] — deshalb lohnt die Abklärung auch bei geringen Anzeichen.

Welche weiteren Ursachen infrage kommen

  • Schilddrüsenunterfunktion. Kälteintoleranz zählt zu den häufigen Beschwerden, neben Müdigkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung und trockener Haut [4]. Der Nachweis erfolgt über eine Blutuntersuchung, nicht über das Kältegefühl.
  • Blutarmut. Blässe, Erschöpfung, Luftnot bei Belastung. Wird über Blutwerte festgestellt.
  • Rauchen. Verengt die Gefäße akut und beschleunigt Gefäßveränderungen.
  • Niedriger Blutdruck, geringe Muskelmasse, wenig Bewegung. Führen zu allgemeiner Kälteempfindlichkeit, oft seit Jahren unverändert.

Was im Alltag hilft

  • In Schichten kleiden und den Rumpf warm halten. Wenn der Körperkern auskühlt, drosselt der Körper die Durchblutung der Hände zuerst. Eine warme Weste wirkt an den Fingern oft besser als dickere Handschuhe.
  • Fäustlinge statt Fingerhandschuhe. Die Finger wärmen sich gegenseitig.
  • Schuhe nicht zu eng. Enge Schuhe und straffe Socken drücken auf die Durchblutung. Wolle wärmt auch feucht.
  • Bewegung statt Reiben. Kreisen, gehen, Treppensteigen. Bewegung erzeugt Wärme dort, wo sie gebraucht wird.
  • Vorsicht bei direkter Wärme. Wärmflaschen, Heizkissen und heißes Wasser bergen ein Verbrennungsrisiko, wenn das Temperaturempfinden vermindert ist — etwa bei Diabetes. Lauwarmes Wasser genügt.
  • Rauchverzicht. Nikotin verengt die Gefäße unmittelbar. Warum das über die Kälte hinaus zählt, erklärt der Beitrag Gefäßalterung und Arteriensteifigkeit.
  • Regelmäßige Ausdaueraktivität. Konkrete Wochenstruktur im Beitrag Bewegung und Ernährung fürs Herz.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Sofort ärztliche Hilfe — Notruf 112 oder Notaufnahme:

  • ein Bein oder Arm wird plötzlich kalt, blass, schmerzhaft, gefühllos oder kraftlos
  • ein Zeh oder Finger verfärbt sich dunkel bis schwarz
  • eine offene Stelle an Fuß oder Zeh entzündet sich, nässt oder riecht

Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn:

  • nur eine Hand oder ein Fuß kalt ist, die Gegenseite aber warm
  • Finger oder Zehen anfallsartig weiß werden und danach blau oder rot anlaufen
  • beim Gehen reproduzierbar Wadenschmerzen auftreten, die in Ruhe nachlassen
  • kleine Wunden an Füßen oder Zehen schlecht heilen
  • die Kälteempfindlichkeit neu ist und mit Müdigkeit, Gewichtsveränderung oder Blässe einhergeht
  • Sie Diabetes haben und ein vermindertes Gefühl an den Füßen bemerken

Häufige Fragen

Sind kalte Hände und Füße ein Zeichen für schlechte Durchblutung?

Meist nicht im krankhaften Sinn. Die Engstellung der Hautgefäße bei Kälte ist ein normaler Regelvorgang. Für eine behandlungsbedürftige Durchblutungsstörung sprechen eher einseitige Beschwerden, Wadenschmerz beim Gehen oder schlecht heilende Wunden.

Woran erkenne ich ein Raynaud-Phänomen?

An scharf begrenzten Farbveränderungen einzelner Finger: zuerst weiß, dann bläulich, beim Wiedererwärmen rot, oft mit Kribbeln oder Schmerz. Etwa 3 bis 5 % der Bevölkerung sind betroffen [1]. Gewöhnliche Kälteempfindlichkeit verläuft ohne diesen Farbwechsel.

Kann eine Schilddrüsenunterfunktion dahinterstecken?

Möglich. Kälteintoleranz zählt zu den häufigen Beschwerden bei Schilddrüsenunterfunktion, neben Müdigkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung und trockener Haut [4]. Geklärt wird das über eine Blutuntersuchung.

Hilft Wärme von außen?

Sie hilft kurzfristig, behebt aber die Ursache nicht. Wichtiger ist, den Körperkern warm zu halten, damit der Körper die Durchblutung der Hände nicht drosselt. Bei vermindertem Temperaturempfinden, etwa bei Diabetes, ist Vorsicht mit Heizkissen und Wärmflaschen geboten.

Warum sind meine Füße nachts kalt, obwohl das Bett warm ist?

Nachts sinkt die Körperkerntemperatur, und die Bewegung fehlt als Wärmequelle. Warme Socken und ein kurzer Gang vor dem Zubettgehen helfen häufig. Wenn nur ein Fuß betroffen ist oder Schmerzen dazukommen, lassen Sie es abklären.

 
UraVia

Anzeige


CardioVia® intens — Herz & Gefäße


Ein Nahrungsergänzungsmittel mit Mikronährstoffen und ausgewählten Pflanzenextrakten, eine Kapsel täglich.


Vitamin B1 trägt zu einer normalen Herzfunktion bei. Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Blutgefäße bei.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.

 

Quellen

[1] Herrick AL. Raynaud's phenomenon. Journal of Scleroderma and Related Disorders. 2019;4(2). DOI: 10.1177/2397198319826467


[2] Wigley FM, Flavahan NA. Raynaud's Phenomenon. New England Journal of Medicine. 2016;375(6):556–565. PMID: 27509103. DOI: 10.1056/NEJMra1507638


[3] Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA): S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit. AWMF-Register-Nr. 065-003, Version 4.3, Stand 25.11.2024. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-003


[4] Chaker L, Bianco AC, Jonklaas J, Peeters RP. Hypothyroidism. The Lancet. 2017;390(10101):1550–1562. PMID: 28336049. DOI: 10.1016/S0140-6736(17)30703-1

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Zurück zum Blog