Ältere Frau steht in der Küche und stützt eine Hand auf die Arbeitsplatte

Reflux: Ursachen und wie die Refluxkrankheit entsteht

Reflux entsteht, wenn der Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen zeitweise nicht dicht hält und Mageninhalt zurückfließt. Verantwortlich ist meist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: ein nachlassender Schließmuskel, erhöhter Druck im Bauchraum und häufig ein Zwerchfellbruch. Zur Refluxkrankheit wird dieser Rückfluss erst, wenn er belästigende Beschwerden oder Schäden an der Speiseröhre verursacht [1].

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Mechanismus: Der untere Speiseröhrenschließmuskel öffnet sich zeitweise, ohne dass geschluckt wird. In diesen Momenten kann Mageninhalt zurückfließen.
  • Definition: Eine Refluxkrankheit liegt vor, wenn durch Rückfluss von Mageninhalt belästigende Symptome oder Schäden in der Speiseröhre auftreten [1].
  • Begünstigende Faktoren: Häufiger betroffen sind Menschen mit Adipositas, Rauchende und Menschen ab 50 Jahren [2].
  • Nicht jeder Reflux ist sichtbar: Es gibt keinen Goldstandard für die Diagnose; eine unauffällige Magenspiegelung schließt eine Refluxkrankheit nicht aus [1].
  • Wann zum Arzt: Bei Alarmsymptomen oder wenn eine Behandlung nicht anschlägt, ist eine Magenspiegelung vorgesehen [1].

Was beim Reflux im Körper passiert

Zwischen Speiseröhre und Magen liegt eine Verschlusszone aus zwei Komponenten: dem unteren Speiseröhrenschließmuskel, einem Muskelring in der Wand der Speiseröhre, und dem Zwerchfellschenkel, der diesen Ring von außen umfasst. Beide arbeiten normalerweise zusammen wie eine doppelte Dichtung.


Beim Schlucken erschlafft diese Zone kurz, damit die Nahrung passieren kann, und schließt danach wieder. Daneben gibt es Phasen, in denen sich der Schließmuskel auch ohne Schluckvorgang öffnet — meist ausgelöst durch Dehnung des Magens nach einer Mahlzeit. Diese Öffnungen sind ein normaler Vorgang und dienen unter anderem dem Entweichen von Luft. In genau diesen Momenten kann jedoch auch flüssiger Mageninhalt zurückfließen.


Ob daraus Beschwerden entstehen, hängt von drei Größen ab: wie oft der Rückfluss auftritt, wie lange der saure Inhalt Kontakt zur Schleimhaut hat und wie empfindlich diese Schleimhaut reagiert. Deshalb erleben zwei Menschen mit vergleichbarem Rückfluss völlig unterschiedliche Beschwerden.

Welche Rolle ein Zwerchfellbruch spielt

Normalerweise liegt der Übergang von der Speiseröhre zum Magen genau in der Öffnung des Zwerchfells. Bei einem Zwerchfellbruch — fachlich Hiatushernie — rutscht ein Teil des Magens durch diese Öffnung nach oben in den Brustraum.


Damit verlieren die beiden Dichtungskomponenten ihre gemeinsame Lage: Der Schließmuskel sitzt nicht mehr dort, wo das Zwerchfell ihn von außen unterstützt. Die Verschlusswirkung nimmt ab, und zusätzlich kann saurer Mageninhalt in der verlagerten Tasche zurückbleiben, statt vollständig in den Magen abzulaufen.


Ein Zwerchfellbruch ist häufig und verursacht längst nicht immer Beschwerden. Er wird oft zufällig bei einer Magenspiegelung entdeckt, die aus einem anderen Grund erfolgt. Umgekehrt haben viele Menschen mit deutlichen Refluxbeschwerden keinen Zwerchfellbruch.

Was den Rückfluss begünstigt

Refluxbeschwerden treten in bestimmten Gruppen häufiger auf: bei Menschen mit Adipositas, bei Rauchenden und ab dem 50. Lebensjahr [2]. Die Zusammenhänge sind jeweils moderat — kein einzelner Faktor erklärt die Beschwerden allein.


Der Zusammenhang mit dem Bauchumfang lässt sich mechanisch nachvollziehen: Bauchfett erhöht den Druck im Bauchraum, und dieser Druck wirkt auf die Verschlusszone. Aus demselben Grund verstärken sehr große Mahlzeiten, enge Gürtel und Bücken die Beschwerden, ohne selbst eine Krankheitsursache zu sein.

Warum nicht jeder Reflux gleich Refluxkrankheit ist

Von einer Refluxkrankheit spricht man, wenn der Rückfluss von Mageninhalt störende Beschwerden oder Komplikationen verursacht [3]. Entscheidend ist dabei, wie es der betroffenen Person geht — unabhängig davon, was eine Magenspiegelung zeigt [3].


Praktisch heißt das: Ein großer Teil der Betroffenen hat Beschwerden ohne sichtbare Entzündung der Speiseröhre. Es gibt keinen Goldstandard für die Diagnose [1]; eindeutig ist der Befund erst bei bestimmten Veränderungen, etwa einer ausgeprägten Entzündung oder einer nachgewiesenen Verengung.


Ebenso wichtig: Dass Beschwerden unter einem Säureblocker nachlassen, sichert die Diagnose nicht [1].

Warum das Alter die Beschwerden verändert

Höheres Lebensalter zählt zu den Risikofaktoren für eine schwere Speiseröhrenentzündung und für Folgeveränderungen an der Schleimhaut [1]. Hinzu kommt: Ältere Menschen berichten häufiger untypische Beschwerden statt Sodbrennen oder saurem Aufstoßen, wodurch die Diagnose eher übersehen wird — und weisen zugleich häufiger ausgeprägte Befunde auf als jüngere [4].


Daraus folgt eine für den Alltag wichtige Regel: Die Stärke der Beschwerden erlaubt keinen Rückschluss auf den Zustand der Speiseröhre. Wer im höheren Alter neue oder anhaltende Oberbauch-, Schluck- oder Halsbeschwerden bemerkt, sollte sie einordnen lassen, auch wenn sie mild erscheinen. Eine Übersicht der Formen und Behandlungswege finden Sie im Beitrag Sodbrennen im Alter.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Sofort ärztliche Hilfe suchen oder den Notruf 112 wählen bei:

  • Bluterbrechen oder kaffeesatzartigem Erbrochenem
  • schwarzem, teerartigem Stuhl
  • plötzlichem starkem Brustschmerz, besonders mit Atemnot, Schweißausbruch oder Ausstrahlung in Arm, Hals oder Kiefer
  • Nahrung, die stecken bleibt und sich nicht herunterschlucken lässt

Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn:

  • Schluckbeschwerden oder Schmerzen beim Schlucken auftreten
  • Sie ungewollt Gewicht verlieren
  • Sie wiederholt erbrechen müssen
  • Sie auffällig blass oder erschöpft sind, was auf eine Blutarmut hinweisen kann
  • Beschwerden trotz Selbstbehandlung über Wochen fortbestehen

Bei Alarmsymptomen oder wenn eine Behandlung nicht anschlägt, ist eine Magenspiegelung vorgesehen [1].

Häufige Fragen

Ist ein Zwerchfellbruch gefährlich

Ein kleiner Zwerchfellbruch ist häufig und verursacht oft keine Beschwerden. Er begünstigt Reflux, weil Schließmuskel und Zwerchfell ihre gemeinsame Lage verlieren. Ob eine Behandlung nötig ist, richtet sich nach den Beschwerden und dem Befund der Speiseröhre, nicht nach der Größe des Bruchs allein.

Kann Stress Reflux verursachen?

Stress ist keine Ursache im Sinne eines Mechanismus, kann aber die Wahrnehmung von Beschwerden verstärken. Wie stark jemand einen Rückfluss spürt, hängt auch von der Empfindlichkeit der Speiseröhrenschleimhaut ab. Zusätzlich verändern sich unter Belastung häufig Essverhalten, Rauchen und Schlaf.

Bedeutet ein unauffälliger Befund, dass ich keinen Reflux habe?

Nein. Ein großer Teil der Betroffenen hat Beschwerden ohne sichtbare Entzündung. Es gibt keinen Goldstandard für die Diagnose [1]. Bleibt die Ursache unklar, kommen Funktionsuntersuchungen wie eine pH-Metrie infrage.

Warum tritt Reflux bei mir vor allem nachts auf?

Im Liegen fehlt die Schwerkraft, die den Mageninhalt tagsüber unten hält, und Schlucken sowie Speichelfluss nehmen im Schlaf ab. Welche Maßnahmen dafür untersucht sind, lesen Sie im Beitrag Sodbrennen nachts.

Ich habe eher Druck und Aufstoßen als Brennen — ist das auch Reflux?

Möglich, aber nicht zwingend. Druckgefühl im Oberbauch, frühes Sättigungsgefühl und häufiges Aufstoßen können auch andere Ursachen haben und treten oft gemeinsam mit Refluxbeschwerden auf. Der Beitrag Völlegefühl und Aufstoßen geht darauf ein.

 
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Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.

 

Quellen

[1] Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): S2k-Leitlinie „Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis". AWMF-Register-Nr. 021-013, Stand März 2023, gültig bis 30.06.2027. Z Gastroenterol. 2023;61:862–933. DOI: 10.1055/a-2060-1069


[2] Eusebi LH, Ratnakumaran R, Yuan Y, et al. Global prevalence of, and risk factors for, gastro-oesophageal reflux symptoms: a meta-analysis. Gut. 2018;67(3):430–440. PMID: 28232473. DOI: 10.1136/gutjnl-2016-313589


[3] Vakil N, van Zanten SV, Kahrilas P, Dent J, Jones R. The Montreal definition and classification of gastroesophageal reflux disease. American Journal of Gastroenterology. 2006;101(8):1900–1920. PMID: 16928254. DOI: 10.1111/j.1572-0241.2006.00630.x


[4] Kurin M, Fass R. Management of Gastroesophageal Reflux Disease in the Elderly Patient. Drugs & Aging. 2019;36(12):1073–1081. PMID: 31541359. DOI: 10.1007/s40266-019-00708-2

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

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