Ältere Frau greift in der Küche nach einem Glas im oberen Regal

Schulterschmerzen beim Arm heben: Was dahintersteckt

Schulterschmerzen beim Arm heben entstehen meist im Raum unter dem Schulterdach, wo Sehnen der Rotatorenmanschette und ein Schleimbeutel bei jeder Hebebewegung mitgeführt werden. Fachlich werden solche Beschwerden unter dem Begriff subacromiales Schmerzsyndrom zusammengefasst [2]. Dafür sollen zunächst physiotherapeutische Maßnahmen den Vorzug erhalten [2].

Das Wichtigste in Kürze

  • Wo es herkommt: Die Beschwerden gehen typischerweise vom Raum unter dem Schulterdach aus und verstärken sich beim Abspreizen des Arms [2].
  • Häufigkeit: Etwa 16 Prozent der Bevölkerung haben Schulterschmerzen [3].
  • Alter spielt eine Rolle: Sehnenrisse in der Schulter nehmen mit den Jahren deutlich zu [1].
  • Befund ist nicht gleich Ursache: Etwa jede zweite Person über achtzig hat einen kompletten Sehnenriss, ohne davon etwas zu merken [1] — ein Bildbefund allein begründet keinen Behandlungsbedarf.
  • Was zuerst kommt: Physiotherapeutische Maßnahmen sollen den Vorzug erhalten [2].

Warum Schulterschmerzen beim Arm heben entstehen

Das Schultergelenk hat wenig knöcherne Führung. Stabilität entsteht fast vollständig über Muskeln und Sehnen — vor allem über die vier Sehnen der Rotatorenmanschette, die den Oberarmkopf in der Pfanne zentrieren.


Beim Heben des Arms wandern diese Sehnen zusammen mit einem Schleimbeutel unter dem knöchernen Schulterdach hindurch. Der Raum dort ist eng. Verändert sich etwas an diesem Raum oder an den Sehnen, entsteht Schmerz — typischerweise in einem mittleren Bewegungsbereich beim Abspreizen, oft mit Ausstrahlung in den seitlichen Oberarm [2].

Die häufigsten Ursachen im Überblick

  • Subacromiales Schmerzsyndrom. Schmerz im mittleren Hebebereich mit Ausstrahlung in den Oberarm, der sich beim Abspreizen des Arms verstärkt [2].
  • Rotatorenmanschettenläsion. Schmerz plus Kraftverlust. Typisch: Der Arm lässt sich passiv heben, aktiv aber nicht halten.
  • Kalkschulter. Teils sehr heftiger, attackenartiger Schmerz, oft nachts. Im Röntgenbild zeigt sich ein Kalkdepot.
  • Frozen Shoulder. Zunehmende Steifigkeit — die Beweglichkeit ist in alle Richtungen eingeschränkt, auch wenn jemand anderes den Arm führt.
  • Schultergelenkarthrose. Tiefer, belastungsabhängiger Gelenkschmerz mit Einschränkung bei Drehbewegungen.

Warum ein Befund im Bild nicht die Ursache sein muss

Diesen Punkt sollten Sie kennen, bevor Sie eine Aufnahme in der Hand halten. Komplette Sehnenrisse in der Schulter kommen auch bei Menschen ohne jede Beschwerde vor — im achten Lebensjahrzehnt bei etwa der Hälfte [1].


Das heißt: Ein Rissbefund im MRT ist ein Befund, kein Beweis für die Ursache Ihrer Beschwerden. Bei Rissen ohne Symptome wird entsprechend keine Operation empfohlen [1].


Für das Gespräch in der Praxis ist die nützlichste Frage deshalb nicht „Was sieht man?", sondern „Passt das, was man sieht, zu dem, was ich spüre?".

Was zuerst behandelt wird

Die Reihenfolge ist klar geregelt: Bei subacromialem Schmerzsyndrom sollen physiotherapeutische Maßnahmen zunächst den Vorzug erhalten [2]. Erst wenn diese nicht ausreichen, kommt ein Eingriff in Betracht [2]. Auch bei Sehnenläsionen der Rotatorenmanschette gilt Physiotherapie als Basis der konservativen Behandlung [1].


Diese Reihenfolge hat einen Hintergrund in der Studienlage. Der als subacromiale Dekompression bezeichnete Eingriff brachte gegenüber einem Scheineingriff keine bedeutsamen Vorteile bei Schmerz, Funktion und Lebensqualität [4] — ein Befund, der sich in einer weiteren Untersuchung nach zwei Jahren bestätigte [5]. Bemerkenswert dabei: Beide Gruppen besserten sich gegenüber dem Ausgangswert deutlich.


Ob und wann eine Operation im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Befund, Verlauf und Begleiterkrankungen ab. Diese Abwägung gehört in die orthopädische Sprechstunde.

Was Sie selbst tun können

  • Bewegen statt ruhigstellen. Die Schulter versteift schnell. Führen Sie den Arm mehrmals täglich im schmerzfreien Bereich durch, auch wenn Sie ihn nicht voll heben können.
  • Über-Kopf-Arbeiten aufteilen. Regale einräumen, Fenster putzen, streichen: in kurzen Abschnitten mit Pausen statt am Stück.
  • Lasten körpernah tragen. Je weiter die Last vom Körper entfernt ist, desto höher die Spannung an den Schultersehnen.
  • Häufig gebrauchte Dinge tiefer räumen. Kaffee, Teller, Gläser gehören in der Beschwerdephase auf Schulterhöhe oder darunter.
  • Den Aufbau anleiten lassen. Wie sich Belastung sinnvoll dosieren und steigern lässt, steht im Beitrag Sehnen richtig belasten.

Warum Sehnenbeschwerden im Alter überhaupt häufiger werden, beschreibt der Beitrag Sehnen und Bänder im Alter. Was der Fachbegriff Tendinopathie bedeutet, lesen Sie gesondert.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Umgehend abklären lassen, wenn:

  • Sie den Arm nach einem Sturz oder Ruck nicht mehr aktiv heben können
  • die Schulter nach einer Verletzung sichtbar verformt ist
  • die Schulterregion stark geschwollen, gerötet und überwärmt ist oder Fieber hinzukommt
  • Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen im Arm auftreten
  • der Schmerz mit Atemnot, Brustschmerz oder Kaltschweißigkeit einhergeht — dann gilt der Notruf 112

Zeitnah einen Termin vereinbaren, wenn:

  • die Beschwerden länger als etwa sechs Wochen bestehen oder zunehmen
  • der Schmerz Sie nachts regelmäßig weckt oder das Liegen auf der Seite unmöglich macht
  • die Beweglichkeit auch passiv abnimmt, die Schulter also zunehmend steif wird
  • Sie im Alltag Kraft verlieren, etwa beim Tragen oder beim Anziehen

Häufige Fragen

Warum tut die Schulter nur in einem bestimmten Bereich weh?

Beim Heben des Arms wandern die Sehnen der Rotatorenmanschette und ein Schleimbeutel durch den engen Raum unter dem Schulterdach. In einem mittleren Bewegungsbereich ist dieser Durchtritt am engsten, weshalb der Schmerz dort am stärksten ist [2].

Muss ich mit einem Riss in der Rotatorenmanschette operiert werden?

Nicht automatisch. Bei Rissen ohne Symptome wird keine Operation empfohlen; Physiotherapie ist die Basis der konservativen Behandlung [1]. Akute, unfallbedingte Risse sollen dagegen zeitnah versorgt werden [1]. Die Entscheidung gehört in die orthopädische Sprechstunde.

Was ist der Unterschied zwischen Impingement und Frozen Shoulder?

Beim subacromialen Schmerzsyndrom ist vor allem das aktive Heben schmerzhaft, während sich der Arm passiv meist noch gut bewegen lässt. Bei einer Frozen Shoulder ist die Beweglichkeit in alle Richtungen eingeschränkt. Die Behandlungswege unterscheiden sich [2].

Wie lange dauert eine Frozen Shoulder?

Sie verläuft typischerweise über viele Monate. In einer großen Untersuchung wurden drei Behandlungswege nach zwölf Monaten verglichen — keiner war eindeutig überlegen [6]. Geduld und regelmäßige Bewegung im schmerzfreien Bereich sind deshalb die tragenden Elemente.

Hilft Wärme oder Kälte besser?

Beides ist als kurzfristige Linderung unbedenklich, solange Sie Verbrennungen und Unterkühlung vermeiden. Nutzen Sie, was Ihnen angenehmer ist — und verwechseln Sie die Linderung nicht mit einer Behandlung der Ursache.

 
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Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden.

 

Quellen

[1] Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): S2k-Leitlinie „Rotatorenmanschettenruptur". AWMF-Register-Nr. 187-055, Version 3.0, Stand 31.03.2025. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/187-055


[2] Deutsche Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): S2e-Leitlinie „Subacromiales Impingement". AWMF-Register-Nr. 033-056, Version 1.0 vom 11.10.2021. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/033-056


[3] Lucas J, van Doorn P, Hegedus E, et al. A systematic review of the global prevalence and incidence of shoulder pain. BMC Musculoskeletal Disorders. 2022;23:1073. PMID: 36476476. DOI: 10.1186/s12891-022-05973-8


[4] Karjalainen TV, Jain NB, Page CM, et al. Subacromial decompression surgery for rotator cuff disease. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2019;(1):CD005619. PMID: 30707445. DOI: 10.1002/14651858.CD005619.pub3


[5] Paavola M, Malmivaara A, Taimela S, et al. Subacromial decompression versus diagnostic arthroscopy for shoulder impingement. BMJ. 2018;362:k2860. PMID: 30026230. DOI: 10.1136/bmj.k2860


[6] Brealey S, Northgraves M, Kottam L, et al. Surgical treatments compared with early structured physiotherapy in secondary care for adults with primary frozen shoulder: the UK FROST three-arm RCT. Health Technology Assessment. 2020;24(71):1–162. PMID: 33292924. DOI: 10.3310/hta24710

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

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