Älterer Mann sitzt auf der Bettkante und stützt sich mit beiden Händen ab

Schwindel und Kreislauf: Wenn der Blutdruck beim Aufstehen absackt

Wenn Ihnen beim Aufstehen kurz schwarz vor Augen wird oder Sie sich benommen fühlen, steckt dahinter häufig ein Blutdruckabfall in den ersten Sekunden nach dem Lagewechsel. Beim Aufstehen versackt Blut in den Beinen; normalerweise gleicht der Kreislauf das sofort aus. Gelingt das nicht schnell genug, wird das Gehirn kurz weniger durchblutet. Die meisten Auslöser sind gut behandelbar — an erster Stelle Medikamente und eine zu geringe Trinkmenge.

Das Wichtigste in Kürze

  • Was passiert: Beim Aufstehen sackt Blut in die Beine. Reagiert der Kreislauf zu langsam, fällt der Blutdruck kurzzeitig ab.
  • Definition: Von einer orthostatischen Hypotonie spricht man bei einem anhaltenden Abfall des oberen Blutdruckwerts um mindestens 20 mmHg oder des unteren um mindestens 10 mmHg innerhalb von drei Minuten nach dem Aufstehen [2].
  • Wie es sich anfühlt: Benommenheit, Schwarzwerden vor den Augen, Ohrensausen, weiche Knie — Sekunden nach dem Aufstehen, nicht Minuten später.
  • Häufigste Auslöser: blutdrucksenkende und entwässernde Medikamente, zu wenig Trinken, langes Liegen, Wärme.
  • Was hilft: In zwei Schritten aufstehen, ausreichend trinken, Muskelpumpe aktivieren, Medikation ärztlich überprüfen lassen.

Warum der Blutdruck beim Aufstehen abfällt

Wenn Sie sich aufrichten, folgen etwa ein halber bis ein ganzer Liter Blut der Schwerkraft in Beine und Bauchraum. Damit im Kopf trotzdem genug ankommt, reagiert der Körper binnen Sekunden: Der Puls steigt, die Gefäße in den Beinen ziehen sich zusammen, das Herz pumpt kräftiger.


Diese Gegenregulation wird mit dem Alter träger. Die Gefäße sind steifer, die Druckfühler in den Halsschlagadern reagieren weniger empfindlich, und häufig ist die Blutmenge im Kreislauf durch eine geringe Trinkmenge ohnehin knapp. Kommen blutdrucksenkende oder entwässernde Medikamente hinzu, addieren sich die Effekte.


Typisch ist der zeitliche Verlauf: Die Beschwerden treten unmittelbar nach dem Aufstehen auf und verschwinden nach wenigen Sekunden bis Minuten wieder, wenn Sie stehen bleiben oder sich kurz festhalten.

Wer besonders häufig betroffen ist

  • Menschen, die blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, besonders nach einer Dosisanpassung
  • Menschen, die entwässernde Mittel einnehmen
  • Menschen mit Diabetes oder Parkinson, weil hier die Nervensteuerung des Kreislaufs beeinträchtigt sein kann
  • Menschen nach längerer Bettlägerigkeit oder einem Krankenhausaufenthalt
  • Menschen, die wenig trinken — im Alter lässt das Durstgefühl nach, oft ohne dass es auffällt

Auch Hitze, ein heißes Bad, Alkohol und große Mahlzeiten verstärken den Effekt. Wenn die Beschwerden vor allem nach dem Essen auftreten, lesen Sie den Beitrag Schwindel nach dem Essen — dort wirkt ein etwas anderer Mechanismus.

Wie es festgestellt wird

Der übliche Test ist einfach und dauert wenige Minuten: Der Blutdruck wird im Liegen gemessen, dann stehen Sie auf, und es wird nach etwa einer und nach drei Minuten erneut gemessen. Der Vergleich zeigt, ob und wie stark der Druck abfällt und ob der Puls angemessen ansteigt.


Zur Einordnung gehört immer auch der Blick auf die Medikamentenliste. Bringen Sie deshalb alle Präparate mit — auch frei verkäufliche und solche, die Sie nur gelegentlich nehmen. Herzrhythmusstörungen sind eine weitere anerkannte Ursache von Schwindel und werden bei Bedarf mit einem EKG abgeklärt [1].

Was im Alltag hilft

  • In zwei Schritten aufstehen. Erst aufsetzen, einige Sekunden sitzen bleiben, dann aufstehen. Nachts gilt das besonders — der Weg zur Toilette ist die häufigste Sturzsituation.
  • Vor dem Aufstehen die Muskelpumpe aktivieren. Füße kreisen, Zehen anziehen, Beine mehrfach anspannen. Das drückt Blut aus den Beinvenen zurück Richtung Herz, bevor Sie sich aufrichten.
  • Ausreichend trinken. Über den Tag verteilt, nicht auf einmal. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen besprechen Sie die Trinkmenge vorher ärztlich.
  • Gegenmanöver kennen. Wenn es Ihnen im Stehen schwindelig wird: Beine überkreuzen und Muskeln anspannen, in die Hocke gehen oder sich hinsetzen. Das erhöht den Rückstrom zum Herzen innerhalb von Sekunden.
  • Kompressionsstrümpfe erwägen. Sie verringern das Versacken des Blutes in den Beinen. Ob sie sinnvoll sind, klären Sie ärztlich ab.
  • Kopfende des Bettes leicht erhöhen. Einige Zentimeter genügen, damit der Kreislauf nachts nicht vollständig auf Liegen umstellt.
  • Medikation überprüfen lassen. Häufig lässt sich der Einnahmezeitpunkt verschieben oder die Dosis anpassen. Diese Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt — bitte nie eigenmächtig absetzen.

Ergänzend stabilisiert regelmäßiges Gleichgewichtstraining die Sicherheit im Stand und senkt das Sturzrisiko.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Sofort den Notruf 112 wählen, wenn zum Schwindel Sprach-, Seh- oder Gefühlsstörungen, eine Lähmung oder heftigster Kopfschmerz hinzukommen.


Zeitnah ärztlich abklären lassen, wenn:

  • Sie beim Aufstehen bereits kurz das Bewusstsein verloren haben oder gestürzt sind
  • die Beschwerden neu sind und mit einer Medikamentenumstellung zusammenfallen
  • Ihnen auch im Sitzen oder im Liegen schwindelig ist
  • Sie Herzstolpern oder einen sehr langsamen oder schnellen Puls bemerken
  • Sie aus Angst vor dem Schwindel beginnen, sich weniger zu bewegen

Häufige Fragen

Warum wird mir nur morgens beim Aufstehen schwindelig?

Nachts verliert der Körper über Atmung und Urin Flüssigkeit, und der Kreislauf ist nach Stunden im Liegen auf die waagerechte Lage eingestellt. Beides zusammen macht den ersten Lagewechsel des Tages zur größten Belastung.

Hilft Kaffee oder Salz gegen den Schwindel?

Beides wird gelegentlich empfohlen, ist aber nicht für jeden geeignet. Besonders bei Bluthochdruck, Herzschwäche oder Nierenerkrankungen kann mehr Salz schaden. Besprechen Sie das ärztlich, bevor Sie Ihre Ernährung umstellen.

Kann ich mein Blutdruckmedikament einfach weglassen, wenn mir schwindelig wird?

Nein. Ein eigenmächtiges Absetzen kann den Blutdruck stark ansteigen lassen. Schildern Sie den zeitlichen Zusammenhang stattdessen in der Praxis — oft genügt eine Anpassung von Dosis oder Einnahmezeitpunkt.

Wie unterscheide ich Kreislaufschwindel von einem Schwindel aus dem Innenohr?

Kreislaufbedingter Schwindel fühlt sich meist wie Benommenheit oder Schwarzwerden an, tritt beim Lagewechsel auf und dauert Sekunden. Innenohrbedingter Schwindel ist häufiger ein echter Drehschwindel. Eine Übersicht der Formen finden Sie im Beitrag Schwindel im Alter.

 

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Quellen

[1] Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): S2k-Leitlinie „Schwindel in der Hausarztpraxis". AWMF-Register-Nr. 053-018, Stand 28.02.2025, gültig bis 27.02.2030. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/053-018 — abgerufen am 05.08.2026


[2] Freeman R, Wieling W, Axelrod FB, et al. Consensus statement on the definition of orthostatic hypotension, neurally mediated syncope and the postural tachycardia syndrome. Auton Neurosci. 2011 Apr 26;161(1–2):46–8. PMID: 21393070. DOI: 10.1016/j.autneu.2011.02.004 — abgerufen am 05.08.2026

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine Behandlung. Wenden Sie sich bei Beschwerden an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

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